Zwischen Rohstoffkrise und Wachstumssprung – Produktion als Schlüssel zur Transformation

Ein Praxisbeispiel von DDIM Partner Dr. Martin Ludwig Mayr // GOiNTERIM GmbH

Management Summary

Im Rahmen eines 15-monatigen Interim Projekts wurde ein führender Hersteller hochwertiger Bio-Tofu-Produkte umfassend neu ausgerichtet. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise, Lieferkettenproblemen und inflationären Herausforderungen führte der Interim Manager eine tiefgreifende Restrukturierung durch.

Kern des Erfolgs war die Verlagerung der Produktion in ein neues Werk (Brownfield-Projekt), verbunden mit einer deutlichen Produktivitätssteigerung von über 15 % und einer Senkung der Ausschussquote um 4 Prozentpunkte. Durch strategische Investitionsplanung, Organisationsentwicklung und Prozessoptimierung konnte die Resilienz des Unternehmens nachhaltig erhöht und die Marktposition im Bio-Fachhandel weiter ausgebaut werden. Ein starkes Beispiel für Wandel und Effizienz in herausfordernden Zeiten.

Unternehmen

Das Unternehmen, ein führender Hersteller pflanzenbasierter Bio-Produkte, steht für Qualität, Authentizität und Pioniergeist in der Lebensmittelbranche und hat sich als Marktführer im Segment „Bio Plant-Based“ etabliert. Die Distribution erfolgt überwiegend über den Bio-Fachhandel, zunehmend aber auch über den klassischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) – ein strategisches Wachstumsfeld, das gezielt weiterentwickelt werden sollte.

Ausgangslage

Zu Beginn stand das Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, steigende Rohstoffpreise, unterbrochene Lieferketten und eine hohe Inflation belasteten das operative Geschäft. Hinzu kam die starke Saisonalität im Tofu-Markt mit typischer Schwäche in den Sommermonaten – ein Problem, dem das Unternehmen durch zusätzliche Vertriebsimpulse begegnen wollte. Gleichzeitig war die Ertragssituation nicht mehr zufriedenstellend. Die Resilienz des Unternehmens gegenüber externen Marktverwerfungen sollte daher gestärkt werden.

Ein wesentlicher Hebel dafür war die geplante Verlagerung von zwei Dritteln der Produktion in ein bestehendes, bisher fremdgenutztes Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Unternehmenssitz – ein anspruchsvolles Brownfield Projekt. Neben dieser operativen Mammutaufgabe galt es, die Organisationsstruktur neu zu justieren, Führungskräfte gezielt weiterzuentwickeln und strategisch die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Aufgaben

Der Interim Manager übernahm die operative Leitung der Bereiche Produktion und Technik (COO-Funktion) – mit einem klaren Auftrag: die Neuausrichtung des Unternehmens konsequent umzusetzen. Die zentralen Zielsetzungen des Mandats umfassten:

  • Transformation und Change-Management: Reorganisation der gesamten Struktur und Prozesslandschaft mit Fokus auf Produktion, Technik und Mitarbeiterführung im Einklang mit der Arbeitnehmervertretung.
  • Projektmanagement etablieren: Einführung eines professionellen, stringenten Projektmanagementsystems für Investitions- und Optimierungsvorhaben.
  • Produktionsverlagerung realisieren: Vollständige operative Leitung und Umsetzung des Brownfield Projekts, einschließlich der Maschinenverlagerung und Kapazitätserweiterung durch Neuinvestitionen.
  • Investitionsstrategie entwickeln: Aufbau einer unternehmensweiten Investitionsplanung über kurz-, mittel- und langfristige Horizonte.
  • Qualitätssysteme verbessern: Anpassung und Weiterentwicklung des bestehenden Qualitätsmanagementsystems auf die Normen FSSC 22000 und ISO 9001.
  • Führungskräfte stärken: Umstrukturierung der F&E-Abteilung und Installation eines neuen Produktionsleiters zur Stabilisierung und Professionalisierung der operativen Führungsebene.
  • Wettbewerbsfähigkeit sichern: Entwicklung einer belastbaren, zukunftsorientierten Unternehmensstrategie – mit Fokus auf Resilienzsteigerung, Wirtschaftlichkeit und Marktpositionierung.

Umsetzungsschritte

Im Zentrum der Maßnahmen stand die operative Realisierung des Brownfield Projekts. Das bislang fremdgenutzte Gebäude war im Unternehmensbesitz und wurde vollständig für die Produktion ertüchtigt. Der Interim Manager verantwortete die gesamte Umsetzung: von der technischen Planung über die Maschinenverlagerung und -beschaffung bis zur Wiederaufnahme des Produktionsbetriebs. Dabei wurde nicht nur bestehende Technik umgezogen, sondern auch gezielt in moderne Anlagen investiert, um Kapazitäten und Effizienz zu steigern.

Parallel dazu wurde die Investitionsplanung strategisch neu aufgesetzt, technische Infrastruktur erneuert und das Produktionsumfeld optimiert – etwa durch Standardisierungen im Herstellungsprozess, wie beim Einsatz des Gerinnungsmittels, und durch gezielte Anpassungen an den jeweiligen Maschinen. Auch organisatorisch wurden Weichen gestellt: Die F&E wurde mit einem neuen Team aus der zweiten Führungsebene besetzt, die Produktionsleitung vereinheitlicht und das Qualitätsmanagement systematisch überarbeitet.

Ergebnisse

Im Verlauf des Interim Mandats konnten maßgebliche Erfolge erzielt werden, die die Neuausrichtung des Unternehmens nachhaltig stärken. So wurde die Produktivität durch gezielte Prozessoptimierungen um mehr als 15 Prozent gesteigert, was sich direkt auf die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit auswirkte. Gleichzeitig gelang es, die Ausschussquote um vier Prozentpunkte zu reduzieren, unter anderem durch die Standardisierung wichtiger Produktionsparameter wie das Gerinnungsmittel sowie durch Verbesserungen an den einzelnen Maschinenprozessen. Die komplexe Verlagerung der Produktion aus zwei bestehenden Werken in ein neues Brownfield-Werk wurde erfolgreich abgeschlossen und trug entscheidend zur Stabilisierung und Kapazitätserhöhung bei.

Darüber hinaus führten umfangreiche Maßnahmen zur Kostenoptimierung in den Bereichen Material, Personal und Energie zu signifikanten Einsparungen. Mit der Einführung einer langfristigen Investitionsplanung wurde die Grundlage für eine nachhaltige Wachstumsstrategie geschaffen, die es dem Unternehmen ermöglicht, zukünftige Marktanforderungen proaktiv zu adressieren. Insgesamt stärkte das Projekt nicht nur die operative Leistungsfähigkeit, sondern auch die Marktposition des Unternehmens als führender Anbieter im Bereich Bio Plant-Based-Produkte.

Fazit

Das Interim Mandat war weit mehr als ein temporärer Führungseinsatz – es war eine umfassende und erfolgreiche Unternehmensrestrukturierung. Der Interim Manager führte das Unternehmen nicht nur operativ durch eine Phase massiver Veränderung, sondern schuf gleichzeitig die strategischen und organisatorischen Grundlagen für nachhaltiges Wachstum. Die Kombination aus operativer Umsetzungskraft und strategischem Weitblick machte das Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für erfolgreiches Interim Management in der Lebensmittelindustrie.

Dr. Martin Ludwig Mayr ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der DÖIM – Dachorganisation öst. Interim Management –  und stv. Vorsitzender des AIMP – Arbeitskreises Interim Management Provider im D-A-CH Raum. „Seit vielen Jahren begleiten wir bereits die DDIM, arbeiten bei verschiedenen Themen aktiv zusammen und sind sehr eng mit der DDIM verbunden. Deswegen freut uns besonders, auch offizieller Partner der DDIM zu sein.“ Dr. Martin L. Mayr ist zudem Gründer und Inhaber der GOiNTERIM und am Interim Markt mittlerweile als Experte und professioneller Provider sehr bekannt. Da der Interim Markt für Dr. Mayr sowie für die GOiNTERIM sehr wichtig ist, hat er weitere aktive Rollen um den Markt international weiterzuentwickeln.

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