Projektstory: Turnaround einer privaten Hochschule bei laufendem Studienbetrieb
Ein Praxisbeispiel von DDIM Partner HANSE Interim Management GmbH
Restrukturieren, während 15.000 Studierende auf Stabilität angewiesen sind
Ein Unternehmen wirtschaftlich neu aufzustellen, ist anspruchsvoll. Bei einer Hochschule kommt eine weitere Dimension hinzu: Die notwendigen Veränderungen dürfen nicht dazu führen, dass Studium, Lehre und akademische Qualität ins Wanken geraten.
Genau diese Herausforderung stellte sich einer staatlich anerkannten Hochschule in privater Trägerschaft. Die wirtschaftliche Situation erforderte eine konsequente Restrukturierung. Gleichzeitig musste der Studienbetrieb für rund 15.000 Studierende gesichert, die institutionelle Akkreditierung berücksichtigt und eine Vielzahl unterschiedlicher Interessen zusammengeführt werden.
Für die Besetzung einer zentralen Führungsfunktion wurde HANSE Interim Management hinzugezogen. Mit Susanne Möcks-Carone übernahm eine erfahrene Interim Managerin zunächst die Funktion der Generalbevollmächtigten. Kurze Zeit später wurde sie zur Geschäftsführerin bestellt und verantwortete damit die wirtschaftliche Stabilisierung sowie die Umsetzung der Restrukturierung.
Die besondere Schwierigkeit des Mandats lag in der Vielzahl der Abhängigkeiten. Wirtschaftliche Entscheidungen berührten unmittelbar Hochschulorgane, Gesellschafter, Arbeitnehmervertretungen, Mitarbeitende und Studierende. Hinzu kamen regulatorische und akademische Anforderungen.
Restrukturierung bedeutete deshalb in diesem Fall nicht nur, Kosten und Strukturen zu verändern. Es ging darum, wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen, ohne den Bildungsauftrag der Hochschule zu gefährden.
Erst Transparenz, dann Veränderung
Bevor tiefgreifende Maßnahmen umgesetzt werden konnten, musste Klarheit über die tatsächliche wirtschaftliche Situation geschaffen werden.
Susanne Möcks-Carone entwickelte gemeinsam mit ihrem Team eine verlässliche Datenbasis und darauf aufbauend eine integrierte Unternehmensplanung. Ergänzt wurde diese durch ein priorisiertes Maßnahmenprogramm, das zwei Perspektiven miteinander verband: die kurzfristig notwendige wirtschaftliche Sanierung und die langfristige Entwicklung der Hochschule.
Damit entstand eine belastbare Grundlage für Entscheidungen. Gleichzeitig begann die vielleicht schwierigere Aufgabe: unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg aufzubauen.
Denn selbst die wirtschaftlich richtige Entscheidung lässt sich in einer solchen Situation nur umsetzen, wenn sie nachvollziehbar ist und von den entscheidenden Beteiligten mitgetragen werden kann.
32 Studienzentren schließen und den Lehrbetrieb sichern
Wie tiefgreifend die Veränderungen waren, zeigt vor allem eine Zahl: Von insgesamt 44 Studienzentren in Deutschland und Österreich wurden 32 geschlossen.
Eine solche Maßnahme hätte erhebliche Auswirkungen auf den laufenden Hochschulbetrieb haben können. Dennoch gelang es, die Restrukturierung umzusetzen, ohne den Lehrbetrieb zu beeinträchtigen.
Parallel wurden weitere zentrale Veränderungen angestoßen:
- Das Studienangebot wurde überarbeitet und digitalisiert.
- Akademische Konzepte und Studiengänge wurden weiterentwickelt.
- Personelle Anpassungen erfolgten in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen.
- Neue Steuerungs- und Reportingstrukturen wurden eingeführt.
- Prozesse wurden effizienter organisiert.
Damit liefen wirtschaftliche Sanierung und inhaltliche Weiterentwicklung gleichzeitig.
Während Standorte geschlossen und Strukturen verändert wurden, blieb der Hochschulbetrieb stabil. Zugleich konnte die institutionelle Akkreditierung erfolgreich gesichert werden.
Die wirtschaftliche Stabilisierung erfolgte damit nicht auf Kosten der akademischen Qualität. Sie schuf vielmehr die Voraussetzung dafür, dass die Hochschule langfristig wieder eine Perspektive entwickeln konnte.
Warum Stakeholdermanagement zum entscheidenden Faktor wurde
Restrukturierungsprojekte werden häufig über Kennzahlen, Maßnahmenpläne und finanzielle Ziele beschrieben. In diesem Mandat zeigte sich besonders deutlich, dass diese Instrumente allein nicht ausreichen.
Mitarbeitende mussten durch eine Phase erheblicher Unsicherheit geführt werden. Hochschulgremien waren einzubinden. Unterschiedliche Interessen der Gesellschafter mussten zusammengeführt und Entscheidungen gegenüber Arbeitnehmervertretungen, Behörden und weiteren Beteiligten nachvollziehbar vermittelt werden.
Gerade unter diesen Bedingungen wurde Vertrauen zu einer wesentlichen Voraussetzung für die Umsetzung.
Durch transparente Kommunikation, klare Verantwortlichkeiten und nachvollziehbare Entscheidungen gelang es Susanne Möcks-Carone, dieses Vertrauen schrittweise wiederherzustellen. So entstand die notwendige Akzeptanz für Veränderungen, die teilweise tief in bestehende Strukturen eingriffen.
Nach zwölf Monaten war der Break-even erreicht
Die wirtschaftlichen Effekte der Restrukturierung wurden bereits innerhalb weniger Monate sichtbar.
Innerhalb des vorgesehenen Zeitraums von zwölf Monaten erreichte die Hochschule den Break-even. Gleichzeitig musste der bereitgestellte Sanierungsrahmen deutlich weniger in Anspruch genommen werden als ursprünglich geplant.
Auch die strategische Perspektive veränderte sich. Im Rahmen eines strukturierten M&A-Prozesses entwickelte sich die Hochschule wieder zu einem attraktiven Übernahmekandidaten.
Heute verfügt sie erneut über eine nachhaltige Ertragskraft und einen belastbaren Unternehmenswert.
Turnaround braucht mehr als einen Maßnahmenplan: Was lässt sich aus diesem Mandat mitnehmen?
Eine erfolgreiche Restrukturierung braucht belastbare Zahlen, klare Prioritäten und konsequente Umsetzung. In einem Umfeld wie dem Hochschulbereich kommt jedoch etwas Entscheidendes hinzu: Führung muss sehr unterschiedliche Interessen zusammenbringen, ohne das wirtschaftliche Ziel aus den Augen zu verlieren.
Gerade wenn Veränderungen tief in eine Organisation eingreifen, entscheidet deshalb nicht allein die Qualität des Restrukturierungskonzepts über den Erfolg. Entscheidend ist auch, ob es gelingt, Orientierung zu geben, Vertrauen aufzubauen und die Organisation während des gesamten Prozesses handlungsfähig zu halten.
Andreas Lau, Geschäftsführer von HANSE Interim, fasst die Bedeutung des Mandats so zusammen: „Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was Interim Management in anspruchsvollen Veränderungssituationen leisten kann. Es geht nicht nur um Zahlen, Prozesse oder Strukturen. Entscheidend ist die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen, Vertrauen aufzubauen und auch unter schwierigen Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben. Genau dafür steht Susanne Möcks-Carone.“
Für ihre Leistung in diesem Mandat wurde Susanne Möcks-Carone auf dem 20. Jahresforum des AIMP als Interim Managerin des Jahres 2026 ausgezeichnet. Die Jury würdigte insbesondere ihre Führungsstärke, die konsequente Umsetzung und ihr außergewöhnliches Stakeholdermanagement.
Weitere Beiträge von HANSE Interim finden Sie hier.
HANSE Interim ist seit 20 Jahren Spezialist für die professionelle Vermittlung von Managern auf Zeit und die Betreuung von Interim Management-Projekten. Wir besetzen kaufmännische sowie betriebliche Funktionen der 1. und 2. Führungsebene für Konzern und Mittelstand. Unser Netzwerk umfasst ausgewählte hochqualifizierte Interim- und Projektmanager aller Funktionen aus 250 Branchen, die auf freiberuflicher Basis Monate tätig werden. Eine besondere Spezialität ist die Besetzung von Interim CROs in Sanierung, Restrukturierung und Ertragssteigerung.
Folgen Sie uns jetzt auf LinkedIn!




