Interim Manager in Startups: Wertschöpfungshebel statt Notnagel

Warum erfahrene Interim Manager im deutschen Startup- und Scale-up-Ökosystem messbar Wert schaffen | Ein Beitrag von DDIM Interim Manager Ruben Faust für die DDIM.fachgruppe // Startup & Scale-up

Erfahrene Interim Manager schließen die typischen Kompetenzlücken in deutschen Startups und Scale-ups – schnell, kosteneffizient und mit messbarer Wirkung.

Ausgangslage: Rekord bei Gründungen, höhere Selektionsschärfe bei Skalierung

Deutschland verzeichnete 2025 mit 3.568 Neugründungen ein Rekordjahr. Hinter dieser Schlagzeile zeichnet die Datenlage allerdings ein differenziertes Bild der Startup- und Scale-up-Szene.

Das Gesamtvolumen der Startup-Finanzierungen lag 2025 laut EY Startup Barometer bei 8,4 Milliarden Euro, verteilt auf 716 Deals – fünf % weniger als im Vorjahr. Auffällig ist die Konzentration: 2,4 % der Deals absorbierten 45 % des Gesamtvolumens. Die durchschnittliche Series-B-Bewertung sank von 140 Millionen Euro (2021) auf 65 Millionen Euro (2025). Fundraising-Prozesse dauern heute 6 bis 12 Monate gegenüber 3 bis 6 Monaten in der Boomphase 2021. Im Series-B- und Series-C-Segment stammen rund 78 % des Volumens von US- und UK-Investoren mit Anforderungen, die deutsche Gründerteams häufig erstmals erfüllen müssen.

Strukturell prägt die Szene ein klares Profil: 74,8 % der deutschen Startups sind B2B-Modelle, 45 % haben KI im Zentrum ihres Produkts. Die durchschnittliche Teamgröße in der Seed-Phase sank in den ersten sieben Monaten auf 2,3 Mitarbeiter, nach 3,4 im Vorjahr. Auch die Stimmungslage kühlt sich ab: Die Gründungsbereitschaft fiel laut Deutschem Startup Monitor von 90 % (2023) auf 78 % (2025). Die Kooperationsrate mit etablierten Unternehmen sank im selben Zeitraum von 71,8 auf 56 %.

Gleichzeitig scheitern 70 % aller Startups innerhalb der ersten fünf Jahre. Die Insolvenzwelle der Jahre 2022 bis 2024 traf prominente Unternehmen wie Lilium, Sono Motors und Franka Emika. Auslöser war meist eine gescheiterte Finanzierungsrunde, kombiniert mit operativen Schwächen. Die gleiche Kombination aus engerem Kapitalmarkt, härteren Investorenanforderungen und steigender operativer Komplexität trifft den durchschnittlichen Wachstumsbetrieb genauso. Erfahrene Interim Manager bringen die Umsetzungserfahrung mit, die ein Gründerteam selten in voller Breite mitbringt – und das in Zeitdimensionen, die zur Realität eines begrenzten Runways passen.

Das Problem: Strukturelle Schwellen

Die Daten aus dem Deutschen Startup Monitor 2025 markieren drei wiederkehrende Engpässe

  • 61 % der Tech-Startups nennen Vertrieb und Kundengewinnung als größte Herausforderung
  • 81 % berichten von zurückhaltenderen Investoren
  • 34 % der Scale-ups scheitern in der Skalierungsphase an interner Organisationsschwäche

Diese drei Zahlen kennzeichnen die kritischen Übergänge.

Der erste betrifft das Go-to-Market in einem überwiegend B2B-geprägten Markt mit langen Vertriebszyklen.

Der zweite betrifft den Wechsel von founder-led Funding hin zu institutionellem Investor-Reporting, welches in der Regel ab Series A erwartet wird.

Der dritte betrifft den Aufbau einer skalierbaren Organisation jenseits des Gründerteams.

Hinzu kommt der Finanzierungsdruck: 74,9 % der Startups planen, innerhalb der nächsten zwölf Monate externes Kapital aufzunehmen. Nur ein Drittel beurteilt den Kapitalzugang positiv. 15 % befürchten eine Insolvenz im selben Zeitraum. Wer in dieser Lage handwerklich nachlässig agiert, verliert Bewertung oder im schlimmsten Fall die Runde insgesamt.

Lösungsvorschlag: Vier Wirkungsdimensionen erfahrener Interim Manager

Es lassen sich konkrete Wirkungsdimensionen aus der Datenlage und der Mandatspraxis ableiten.

  1. Geschwindigkeit: 17 Tage statt 138 Tage

Vom Angebot bis zum Projektstart vergehen laut Ludwig Heuse durchschnittlich 16 Tage. Nach 17 Projekttagen ist ein Interim Manager voll wirksam. Demgegenüber stehen 138 Tage durchschnittliche Vakanzzeit nach Daten der Bundesagentur für Arbeit, im Finanzbereich sogar 181 Tage. Für ein Startup mit zwölf bis 18 Monaten Runway kann eine dreimonatige Vakanz auf der CFO-Position existenzbedrohend werden.

  1. Finanzieller Hebel: ROIM von 5,8 und 97 % über Break-even

Die ROIM-Studie der Ludwig Heuse GmbH wertet jährlich über 900 Mandate aus. Je investiertem Euro fließen durchschnittlich 5,82 Euro zurück. 87 Prozent erwirtschaften mindestens das Doppelte der Kosten, nur 3 % bleiben unter dem Break-even.

Der Vergleich der Vollkosten relativiert das Tagessatzargument zusätzlich.

Ein Festangestellter Senior Manager mit 120.000 Euro Bruttojahresgehalt verursacht inklusive aller Nebenkosten Gesamtkosten von rund 247.000 Euro – auf 190 produktive Tage gerechnet ein realer Tagessatz von 1.301 Euro. Das entspricht dem Niveau eines vergleichbaren Interim Mandats, das jedoch ab Tag eins produktiv ist und echte inkrementelle Wertbeiträge liefert.

  1. Operative Wirkung: Vertrauen in Wochen, Veränderung mit weniger Reibung

Die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg dokumentiert: 54 % der Interim Manager gewinnen das volle Vertrauen der Mitarbeiter binnen vier Wochen, 85 % binnen zwei Monaten. 79 % der in der AIMP-Marktstudie befragten Unternehmen bestätigen, dass Interim Manager Veränderungsprozesse leichter umsetzen können als interne Manager. Der Mechanismus ist nüchtern: keine internen Karriereambitionen, transparente Kommunikation und die Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

  1. Wirkung auf Finanzierungsrunden: Reporting, Datenqualität, Bewertung

Die Nachfrage nach Interim und Fractional CFOs stieg seit 2020 um 310 Prozent. Die Kostenersparnis gegenüber einer Festanstellung beträgt 50 bis 70 Prozent. Konkrete Beiträge sind IFRS-nahes Reporting, monatliches Cashflow-Forecasting, transparente Unit Economics und die Vorbereitung der Financial Due Diligence. In dokumentierten Fällen liegt der Effekt auf das Investoreninteresse bei rund 30 Prozent.

  1. Nachhaltigkeit der Lösungen, die durch den Interim Manager erzielt wurden

Der Wertbeitrag eines Mandats bemisst sich an dem, was nach Mandatsende bleibt. Erfahrene Interim Manager bauen Strukturen und Kompetenzen auf, die ihre eigene Präsenz überflüssig machen. Coaching, dokumentierte Best Practices und klare interne Verantwortlichkeiten gehören zum Standardrepertoire. Compliance by Design und etabliertes Investor-Reporting wirken weit über das Mandat hinaus.

  1. Fractional CxO als Zwischenmodell

Zwischen Festanstellung und punktueller Beratung etabliert sich das Fractional-Modell als eigenständige Variante. Eine erfahrene Führungskraft übernimmt anteilig zwei bis drei Tage pro Woche operative Verantwortung – mit Einbindung in das Tagesgeschäft, nicht als reine Beratung. Der Kostenvorteil liegt bei 45 bis 55 Prozent gegenüber der Vollzeitlösung, ohne Fixkostenblock und Fehlbesetzungsrisiko. Das Modell trägt besonders vor Finanzierungsrunden, beim Aufbau der Finance-Organisation oder bei Compliance-Themen wie NIS-2 und EU AI Act. Ab Series B ist meist eine dauerhaft präsente Führungskraft erforderlich.

Fazit und Zusammenfassung

Die Datenlage aus DDIM, AIMP, Ludwig Heuse und Helmut-Schmidt-Universität zeichnet durchgängig ein konsistentes Bild. Interim Management liefert im Durchschnitt das 5,8-fache der Investition zurück, mit einer Erfolgsquote von 97 % über dem Break-even. Für Startups und Scale-ups kann der Einsatz von Interim Managern mehr als eine Effizienzfrage sein!

Es ist eine Frage der Überlebensfähigkeit in Phasen, in denen jeder Monat Burn Rate und jede verlorene Finanzierungsrunde existenziell wirken kann. Erfahrene Interim Manager sind deshalb kein Notnagel für Krisensituationen, sondern ein strategischer Hebel für planbares Wachstum. Der Einsatz von Interim Managern kann a) wie eine „Versicherungspolice“ auf den Fortbestand und b) als Beschleuniger durch schnelle Umsetzung wichtiger Skalierungsschritte positive Wirkung entfalten.

69 % der Unternehmen, die einen Interim Manager eingesetzt haben, beauftragen erneut einen für ein Folgeprojekt – ein deutliches Signal für den wahrgenommenen Mehrwert.

Wer früh über den gezielten Einsatz erfahrener Interim Manager nachdenkt, kauft sich Geschwindigkeit, Erfahrung und Resilienz – drei Faktoren, die in Skalierungsphasen über Erfolg und Scheitern entscheiden.

Planen Sie Ihre nächste Finanzierungsrunde oder stecken Sie mitten in der Skalierung? Die Experten der DDIM.fachgruppe Startup & Scale-up unterstützen Sie dabei, Ihre Organisation resilient und investorenreif aufzustellen.

Ruben Faust ist als Interim CFO und VP Finance auf die Unterstützung schnell wachsender Unternehmen spezialisiert. Sein Fokus liegt darauf, finanzielle und operative Strukturen so auszurichten, dass Wachstum nachhaltig gesteuert und typische „Wachstumsschmerzen“ frühzeitig beseitigt werden können. Dabei verfolgt er konsequent den Ansatz, Herausforderungen nicht lange zu analysieren, sondern pragmatische und wirksame Lösungen zu entwickeln. Mit langjähriger Managementerfahrung übernimmt Ruben Faust anspruchsvolle Interim-Management-Mandate in den Bereichen Finanzen, Controlling und Business Development.

Die DDIM.fachgruppe // Startup & Scale-up bündelt die Erfahrung von Interim Managern, Gründern und Investoren, die das deutsche Startup- und Wachstumsökosystem aus eigener Praxis kennen. Sie versteht sich als kompetenter Ansprechpartner für Gründer, Aufsichtsgremien und Investoren, die in Wachstums-, Finanzierungs- oder Transformationsphasen auf erfahrene operative Führung angewiesen sind. Die Fachgruppe positioniert die DDIM in einem Segment, das bislang im Verbund unterrepräsentiert war, und verbindet die Diversität ihrer Mitglieder mit einem klaren Anspruch: nachhaltiges Wachstum von Startups und Scale-ups in Deutschland sichtbar und messbar zu unterstützen. Fachgruppenleitung: Jürgen H. Thiel; stellvertretende Leitung: Alexander Barisic.