Die Fehler, die man bei internationalen Interim-Mandaten vermeiden sollte!

Ein Beitrag von DDIM Partner PROEVOLUTION

Der Erfolg eines internationalen Mandats hängt nicht allein von der fachlichen Kompetenz ab. Entscheidend sind auch die richtigen Rahmenbedingungen. Unternehmen, die ihren Interim Managerinnen und Managern klare Strukturen, schnelle Entscheidungswege und die passenden Ressourcen zur Verfügung stellen, schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. So entstehen effiziente Prozesse, schnelle Ergebnisse und nachhaltige Projekterfolge, auch in einem internationalen Umfeld.

In diesem Beitrag wollen wir Unternehmen Ratschläge bei der Besetzung von internationalen Mandaten geben, aber auch international spezialisierte Interim Manager für die Thematik sensibilisieren.

Fehler Nr. 1: Erfolgsrezepte einfach übertragen

Ein häufiger Irrtum besteht darin, erfolgreiche Methoden aus dem Heimatmarkt unverändert auf ein anderes Land zu übertragen.

Ein französisches Unternehmen, das seine deutsche Filiale „nach französischem Vorbild“ führen möchte, oder ein deutscher Mutterkonzern, der ein „Copy-Paste“ seiner Prozesse in Frankreich durchsetzen will, stößt schnell an Grenzen. Was im Heimatmarkt funktioniert hat, muss im Ausland nicht zwangsläufig erfolgreich sein.

Ein typisches Beispiel betrifft Entscheidungsprozesse. Während deutsche Unternehmen häufig auf strukturierte Planung setzen und ein Thema nach dem anderen bearbeiten (monochrone Kultur), arbeiten Unternehmen in anderen Ländern oft flexibler, entscheiden weniger konkret und gehen regelmäßig zu ihren Entscheidungen zurück (polychrone Kulturen). Werden diese Unterschiede ignoriert, entstehen Frustrationen und Misstrauen auf beiden Seiten.

Fehler Nr. 2: Sprache mit kulturellem Verständnis verwechseln

Ein Irrglaube liegt darin zu denken, ein bilingualer Interim Manager sei automatisch für internationale Mandate qualifiziert.

Tatsächlich reicht Sprachkompetenz allein nicht aus. Entscheidend ist die Fähigkeit, kulturelle Codes, Kommunikationsstile und Erwartungshaltungen zu verstehen.

Ein deutscher Interim Manager in einem französischen Unternehmen muss beispielsweise wissen, dass Entscheidungswege, Hierarchieverständnis oder die Bedeutung persönlicher Beziehungen teilweise anders funktionieren als in Deutschland. Umgekehrt kann ein französischer Manager in Deutschland Schwierigkeiten haben, wenn er versucht, ausschließlich mit seinen herkömmlichen Methoden zu arbeiten. Wichtig ist es, einen Interim Manager zu finden, der sowohl die lokale Sprache als auch die lokale Geschäftskultur kennt und sich anpasst.

Fehler Nr. 3: Rechtliche Besonderheiten unterschätzen

Auch rechtliche Unterschiede werden bei internationalen Mandaten häufig zu spät berücksichtigt.

Arbeitsrecht, Vertragsgestaltung, steuerliche Anforderungen oder die Rahmenbedingungen für Interim Management unterscheiden sich teilweise erheblich von Land zu Land. Dabei können Risiken entstehen, wenn lokale Besonderheiten ignoriert werden.

In Frankreich z. B. wird deutlich mehr auf die Rechte der Arbeitnehmer geachtet, dies kann bis hin zum Rechtsstreit führen. Auch sind dort andere Vertragsarten verbreitet wie das „Portage salarial“, wobei der Interim Manager als selbstständiger Berater für den Kunden arbeitet, jedoch bei einer Träger-Gesellschaft angestellt ist, die dem Kunden die Rechnung stellt und Sozialabgaben abführt. Ebenfalls kommt es dort deutlich häufiger vor, dass einem Interim Manager nach dem Mandat eine Festanstellung angeboten wird und er diese akzeptiert.

Fehler Nr. 4: Veränderung anordnen statt erklären

Internationale Transformationsprojekte gehen häufig mit weitreichenden Veränderungen einher und erfordern daher eine sorgfältige Planung sowie eine klare Umsetzungsstrategie. Der langfristige Erfolg hängt jedoch nicht allein von der Qualität der Strategie ab, sondern vor allem davon, wie die Veränderungen im Unternehmen verankert werden.

Erfolgreiche Interim Manager wissen, dass nachhaltiger Wandel nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort gelingt. Sie investieren daher gezielt in Kommunikation, Dialog und Transparenz, um die Hintergründe und Ziele verständlich zu machen. Wenn Mitarbeitende den Nutzen der Veränderungen erkennen, ihre Perspektiven einbringen können und sich wertgeschätzt fühlen, entsteht dadurch die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation.

Der international spezialisierte Interim Manager Bernard Menna teilt seine jahrelange Erfahrung mit internationalen Mandaten:

Bernard Menna begleitet seit mehr als drei Jahrzehnten internationale Geschäftsaktivitäten und Transformationsprojekte in verschiedenen Märkten. Aus seiner Sicht konzentrieren sich Unternehmen bei internationalen Mandaten häufig auf die falschen Fragestellungen.

„Viele Unternehmen kommen bereits mit einer fertigen Lösung in ein anderes Land. Dabei wurde oft noch gar nicht geprüft, ob man das eigentliche Problem richtig identifiziert hat“, erklärt Menna.

Menna erinnert sich an einen Fall, in dem die Unternehmenszentrale die Preise um 20 Prozent senken wollte, um den Umsatz zu steigern. Bei genauer Analyse zeigte sich jedoch, dass das eigentliche Problem nicht die Preise waren, sondern ein Vergütungssystem, das den lokalen Vertrieb nicht dazu motivierte, zusätzliche Aufträge zu gewinnen. Menna betont, dass die Aufgabe eines Interim Managers nicht nur darin besteht, Veränderungen umzusetzen, sondern auch darin, die tatsächlichen Herausforderungen zunächst zu erkennen und zu verstehen.

Ein weiterer Fehler sei die Steuerung internationaler Aktivitäten aus der Distanz. Nach Mennas Erfahrung verlassen sich manche Muttergesellschaften zu stark auf Berichte und Kennzahlen, ohne die Situation vor Ort ausreichend kennenzulernen.

„Wer verstehen will, warum etwas funktioniert oder eben nicht funktioniert, muss mit den Menschen sprechen und die Realität vor Ort erleben.“

Besonders kritisch sieht Menna zudem den Versuch, bei der lokalen Anpassung zu sparen. Menna verweist auf seine eigenen Erfahrungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Selbst innerhalb des deutschsprachigen Raums gebe es erhebliche Unterschiede zwischen Regionen und Unternehmenskulturen. Ob juristische Beratung, Vertragsgestaltung oder organisatorische Besonderheiten, viele Unternehmen würden erst dann Experten hinzuziehen, wenn bereits Probleme entstanden seien.

„Die vermeintliche Einsparung am Anfang wird später oft deutlich teurer. Bei internationalen Mandaten braucht man lokale Expertise.“

Ein weiteres zentrales Thema ist für Menna der Umgang mit Veränderungen. Unternehmen unterschätzten häufig, wie wichtig Kommunikation und Einbindung der betroffenen Teams seien.

„Veränderungen lassen sich nicht verordnen. Menschen akzeptieren neue Wege nur dann, wenn sie deren Nutzen verstehen und sich ernst genommen fühlen. Geduldige Kommunikation ist deshalb von zentraler Wichtigkeit.“

Sein Fazit nach mehr als 30 Jahren internationaler Erfahrung fällt daher eindeutig aus: Erfolgreiche Interim-Management-Mandate benötigen nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch die Fähigkeit zuzuhören, lokale Gegebenheiten zu verstehen und unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. Interim Manager selbst sollten sich Unterstützung holen, rät Menna:

 „Ich empfehle Interim Managern ausdrücklich, bei internationalen Mandaten mit Providern zusammenzuarbeiten, die sowohl die kulturellen als auch die rechtlichen Besonderheiten der jeweiligen Märkte kennen.“

Sein wichtigster Rat lautet: Anpassungsfähigkeit.

Fazit

Internationale Interim-Management-Mandate bieten enormes Potenzial, vorausgesetzt, Unternehmen betrachten sie nicht als einfache Verlängerung ihres Heimatmarktes. Wer kulturelle Unterschiede respektiert, rechtliche Besonderheiten berücksichtigt und lokale Expertise einbindet, erhöht die Erfolgschancen eines Projekts erheblich. Die wichtigste Erkenntnis bleibt dabei einfach: Internationale Transformation beginnt nicht mit Prozessen, sondern mit Verständnis.

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Bernard Menna ist ein international spezialisierter Vertriebs- und Filialleiter sowie Professor an der EM Strasbourg mit 30 Jahren Erfahrung und ausgewiesener Expertise in der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Während seiner Karriere hat er zahlreiche deutsche Unternehmen bei ihrer Expansion nach Frankreich begleitet und dabei Vertriebsstrukturen aufgebaut, internationale Teams geführt sowie kulturelle, rechtliche und organisatorische Unterschiede zwischen beiden Ländern überbrückt.

Wiebke Stellfeld ist Personalberaterin bei PROEVOLUTION mit Schwerpunkt auf deutsch-französischem Recruiting und internationalen Mandaten.
Sie unterstützt Unternehmen bei der Suche nach erfahrenen Interim Managern und Führungskräften. Ihr Fokus liegt auf internationalen und insbesondere deutsch-französischen Projekten.

PROEVOLUTION unterstützt Unternehmen bei der Besetzung von Führungs- und Expertenpositionen mithilfe von Interim Management. Besonders spezialisiert ist die Personalberatung auf die Industrie und internationales Interim Management – mit einem starken Fokus auf deutsch-französische Mandate. Dank eines strukturierten Auswahlprozesses kann PROEVOLUTION innerhalb von nur 48 Stunden geeignete Profile vorstellen. Neben Interim Management unterstützt die Personalberatung seit fast 40 Jahren Unternehmen dabei, Führungs- und Expertenpositionen erfolgreich zu besetzen und Veränderungsprozesse zu gestalten. Im Zentrum der Zusammenarbeit mit PROEVOLUTION stehen Vertrauen, Zuverlässigkeit und Qualität.