DDIM.virtuell: Resiliente Verträge als Hebel für krisenfestere Lieferketten

Ein Beitrag von DDIM Interim Managerin Elisabeth Schardt für die DDIM.fachgruppe // Nachhaltigkeit

Im Workshop der DDIM.fachgruppe // Nachhaltigkeit wurde deutlich, dass Resilienz in der Lieferkette nicht erst im Krisenfall beginnt, sondern bereits in der Vertragsgestaltung. Angesichts geopolitischer Spannungen, klimabedingter Risiken, Lieferengpässen und wachsender regulatorischer Anforderungen stehen Unternehmen vor der Aufgabe, ihre Einkaufs- und Lieferantenverträge neu zu bewerten.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich klassische Einkaufsthemen mit Nachhaltigkeit und Resilienz verbinden lassen. Verträge wurden dabei nicht nur als juristische Absicherung betrachtet, sondern als strategisches Instrument zur Risikominimierung. Frühwarnpflichten, Informationspflichten, Versicherungsklauseln, Regelungen zu alternativen Transportwegen, Lagerkonzepte oder konkrete Vorsorgemaßnahmen können dazu beitragen, Lieferketten robuster aufzustellen und Ausfallrisiken besser abzufedern.

Zugleich wurde im Austausch klar: Verträge allein reichen nicht aus. Sie müssen eingebettet sein in betriebswirtschaftliche Entscheidungen, etwa zur Lieferantenstrategie, zu Single- oder Multiple-Sourcing, zu Lagerbeständen oder zur Frage, wie eng und langfristig Lieferantenbeziehungen gestaltet werden sollen. Resilienz entsteht somit im Zusammenspiel von rechtlicher Gestaltung, operativem Risikomanagement und strategischem Einkauf.

Ein weiterer wichtiger Impuls des Workshops war, dass resiliente Vertragsgestaltung weit über die reine Schadensbegrenzung hinausgeht. Sie beeinflusst auch Finanzierung, Compliance, Reputation und Wettbewerbsfähigkeit. Damit wird deutlich: Nachhaltige und resiliente Beschaffung ist nicht nur ein Compliance- oder Berichtsthema, sondern ein konkreter wirtschaftlicher Erfolgsfaktor.

Der Workshop zeigte außerdem, dass viele Unternehmen ihre bestehenden Verträge bislang noch nicht systematisch auf neue Risiken und Anforderungen geprüft haben. Gerade bei kritischen Lieferanten, risikobehafteten Regionen und bestehenden Abhängigkeiten lohnt sich jedoch ein genauer Blick. Moderne Vertragsgestaltung bedeutet heute, geopolitische und klimabedingte Unsicherheiten mitzudenken und Lieferketten dadurch vorausschauend widerstandsfähiger zu machen.

Fazit

Resilienz in der Lieferkette ist kein isoliertes Nachhaltigkeitsthema, sondern eine zentrale Managementaufgabe. Wer Risiken früh erkennt und Vertragsgestaltung strategisch nutzt, schafft nicht nur mehr Versorgungssicherheit, sondern stärkt auch die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens.

Elisabeth Schardt: Interim Managerin mit über 30 Jahren internationaler Beschaffungs- und Führungserfahrung, davon 17 Jahre in Hongkong, und umfassender Expertise in Einkauf, Supply Chain, Produktionsplanung und internationalen Lieferketten. Ich kombiniere technische Tiefe (Dipl.-Ing. Textil & Bekleidungstechnik) mit strategischer Einkaufsführung, interkultureller Kompetenz und einer starken Transformations- und Prozessperspektive. Mein Markenzeichen: komplexe Beschaffungsstrukturen stabilisieren, Performance messbar steigern und interkulturelle Zusammenarbeit erfolgreich gestalten – hands-on, zielorientiert, analytisch und empathisch.

In den DDIM.fachgruppen haben sich Mitglieder zusammengeschlossen, die in gleichen Branchen und Funktionen oder an vergleichbaren Aufgabenstellungen und Sonderthemen arbeiten. Die Mitglieder sind auf ihren Gebieten Experten, sie tauschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus. Eines ihrer Ziele ist es, das Interim Management in den einzelnen Disziplinen bekannter zu machen sowie mehr Nähe zur Industrie, zu Verbänden und zu Fachmedien herzustellen.