Selbstzweifel trotz Erfolg? So erkennen und überwinden Sie das Imposter-Syndrom.

Ein Beitrag von Erik Gürges für DDIM Partner Hays AG

Sie liefern gute Ergebnisse, fühlen sich aber trotzdem nicht kompetent genug? Erfahren Sie, ob Sie vom Imposter-Syndrom betroffen sind, woran Sie das Phänomen erkennen und mit welchen Strategien Sie mehr Sicherheit gewinnen. Inklusive Selbsttest.

Definition: Was ist das Imposter-Syndrom?

Das Imposter-Syndrom, manchmal auch in der Schreibweise „Impostor-Syndrom“ zu finden, beschreibt ein psychologisches Erlebensmuster. Betroffenen fällt es schwer, Erfolge als Ergebnis der eigenen Fähigkeiten anzuerkennen. Stattdessen fürchten sie, von anderen überschätzt und irgendwann als Betrüger „entlarvt“ zu werden. Im Deutschen wird das Phänomen deshalb auch als „Hochstaplersyndrom“ bezeichnet.

Die Psychologinnen Pauline Rose Clance und Suzanne Imes haben das Phänomen 1978 erstmals wissenschaftlich bei erfolgreichen Frauen beschrieben. Spätere Forschungen haben allerdings gezeigt, dass Imposter-Gefühle nicht auf ein Geschlecht oder eine bestimmte Berufsgruppe begrenzt sind.

Typisch ist das wiederkehrende Missverhältnis zwischen guter Leistung und negativer Selbstbewertung. Gerade im Berufsleben können solche Selbstzweifel belastend sein und beeinflussen, wie Menschen ihre Leistung einschätzen, mit Lob umgehen oder Entscheidungen über ihre Karriere treffen. So zeigen etwa Studien mit Berufstätigen Zusammenhänge zwischen stärkeren Imposter-Gefühlen und einer weniger gezielten Karriereplanung.

Imposter-Syndrom: Symptome

Typische Anzeichen des Imposter-Syndroms sind:

  • Angst, als inkompetent „entlarvt“ zu werden
  • Schwierigkeiten, Lob anzunehmen
  • Das Gefühl, dass andere die eigenen Fähigkeiten überschätzen
  • Erfolge werden Glück oder äußeren Umständen zugeschrieben
  • Sehr hohe Ansprüche an die eigene Leistung
  • Übermäßige Vorbereitung oder Aufschieben aus Angst vor Fehlern
  • Häufige Vergleiche mit anderen

Imposter-Syndrom: Ursachen zwischen Anspruch und Arbeitsalltag

Für das Imposter-Syndrom gibt es nicht die eine Ursache. Persönliche Denkweisen, Erfahrungen, Rollenbilder und der konkrete Arbeitskontext können zusammenspielen. Menschen, die sehr hohe Maßstäbe an sich selbst anlegen oder nur Perfektion als Erfolg betrachten, neigen dazu, gute Leistungen schnell abzuwerten. Ein typischer Gedanke: „Das hätte ich besser machen müssen.“ Fehler oder Wissenslücken bekommen dagegen übermäßig viel Bedeutung. Auch Versagensängste, ein niedriges Selbstwertgefühl und perfektionistische Ansprüche stehen mit Imposter-Gefühlen in Zusammenhang.

Das persönliche Umfeld kann die eigene Sicht auf Leistung ebenfalls prägen. Familie, Ausbildung oder gesellschaftliche Erwartungen beeinflussen möglicherweise, welche Ansprüche Menschen an sich selbst stellen. Wer Anerkennung vor allem mit außergewöhnlichen Ergebnissen verbindet, hat es unter Umständen schwerer, die eigene Leistung realistisch einzuordnen.

Im Berufsleben können solche Denkmuster besonders dann sichtbar werden, wenn sich Anforderungen verändern. Ein Jobwechsel, eine Beförderung oder der Einstieg in eine Führungsrolle bringen neue Aufgaben mit sich. Unsicherheit ist in solchen Situationen normal. Beim Imposter-Syndrom wird sie jedoch schnell zum vermeintlichen Beweis fehlender Kompetenz. Ein Beispiel: Eine erfahrene Mitarbeiterin übernimmt erstmals Personalverantwortung. Obwohl ihre bisherigen Leistungen für sie sprechen, deutet sie jede offene Frage als Zeichen dafür, nicht für die Rolle geeignet zu sein.

Berufseinsteiger bis Führungskraft: Wer ist besonders betroffen?

Das Imposter-Syndrom kann Menschen in jeder Karrierephase betreffen. Besonders zu Beginn der beruflichen Laufbahn können Selbstzweifel und Leistungsdruck jedoch stärker in den Vordergrund rücken. Eine Studie mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern zeigt einen Zusammenhang zwischen Leistungsdruck am Arbeitsplatz und stärkeren Imposter-Gefühlen. Gerade am Anfang der Karriere vergleichen sich viele mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und übersehen dabei leicht, dass Berufserfahrung erst mit der Zeit entsteht. Wer den eigenen Wissensstand am Know-how eines Seniors misst, setzt einen unrealistischen Maßstab.

Doch auch High Performer sind nicht automatisch gegen das Imposter-Syndrom immun. Genau darin liegt ein Kern des Phänomens: Objektiver Erfolg korrigiert die negative Selbsteinschätzung nicht unbedingt. Jodie Foster, Oscar-prämierte Schauspielerin und Absolventin der renommierten Universität Yale, berichtete von ähnlichen Gedanken während ihrer Studienzeit. Wie Foster beschreibt, habe sie sich nicht klug genug gefühlt. Diese Einschätzung ordnete sie später als Imposter-Syndrom ein.

Ob am Anfang der Karriere oder nach vielen beruflichen Erfolgen: Entscheidend scheint weniger die tatsächliche Qualifikation als vielmehr die Art und Weise, wie Betroffene ihre eigene Leistung bewerten. Genau an diesem Punkt lässt sich ansetzen.

Imposter-Syndrom überwinden: 5 konkrete Strategien für den Berufsalltag

Leider lassen sich Selbstzweifel nicht einfach so abschalten. Man kann aber lernen, typische Denkmuster zu erkennen, sie zu überwinden und so die eigene Leistung realistischer einzuschätzen.

1. Erfolge konkret festhalten

Notieren Sie abgeschlossene Projekte, positives Feedback und erreichte Ziele. Ergänzen Sie: Was war mein eigener Beitrag? So wird aus „Das Projekt lief einfach glücklich“ eine konkrete Leistung.

2. Gedanken mit Fakten prüfen

Aus „Ich fühle mich unsicher“ wird schnell „Ich bin ungeeignet“. Fragen Sie sich: Welche Fakten sprechen dafür, welche dagegen? Denken Sie daran, dass es kein Zeichen für fehlende Kompetenz ist, eine neue Aufgabe nicht sofort zu beherrschen.

3. „Gut genug“ vorab definieren

Legen Sie vor einer Aufgabe fest, woran Sie ein gutes Ergebnis erkennen. Wer Perfektion zum einzigen Maßstab macht, kann selbst starke Leistungen als unzureichend bewerten.

4. Lob nicht sofort kleinreden

„Das war nur Glück“ oder „Das hätte jeder geschafft“ relativiert positives Feedback sofort. Probieren Sie stattdessen ein schlichtes „Danke“ und nehmen Sie positive Rückmeldungen an.

5. Selbstzweifel ansprechen

Ein Gespräch mit vertrauten Kolleginnen und Kollegen oder im Coaching kann helfen, die eigene Wahrnehmung zu prüfen und nächste Schritte klarer zu sehen. Werden Selbstzweifel dauerhaft sehr belastend oder gehen sie mit starken psychischen Beschwerden einher, sollten sich Betroffene professionelle psychologische bzw. ärztliche Unterstützung suchen.

Kurz und bündig: Häufige Fragen zum Imposter-Syndrom

Woran erkenne ich, ob ich betroffen bin?

Typisch für das Imposter-Syndrom sind wiederkehrende Zweifel an der eigenen Kompetenz, Schwierigkeiten mit Lob sowie die Tendenz, Erfolge abzuwerten. Entscheidend ist dabei das Muster, nicht ein einzelner unsicherer Moment.

Ist das Imposter-Syndrom gefährlich?

Imposter-Gefühle sind nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Forschungen zeigen jedoch Zusammenhänge mit stärkerer beruflicher Belastung und Ängstlichkeit. Anhaltend starke Beschwerden sollten deshalb ernst genommen werden.

Wie lassen sich Selbstzweifel langfristig reduzieren?

Hilfreich ist, die eigene Bewertung mit Fakten abzugleichen, den eigenen Anteil an Erfolgen bewusst zu benennen und unrealistisch hohe Leistungsstandards zu hinterfragen. Auch Austausch und Coaching können unterstützen.

Imposter-Syndrom-Selbsttest: Wie stark zweifeln Sie an Ihren Fähigkeiten?

So funktioniert der Test:

Lesen Sie die folgenden Aussagen und bewerten Sie, wie sehr sie auf Sie zutreffen:

0 Punkte trifft gar nicht zu
1 Punkt trifft eher nicht zu
2 Punkte trifft eher zu
3 Punkte trifft voll zu

Aussagen:

  1. Ich habe häufig das Gefühl, meine Erfolge nicht wirklich verdient zu haben.
  2. Ich glaube oft, dass andere mich überschätzen.
  3. Wenn mir etwas gelingt, schreibe ich das eher Glück oder äußeren Umständen zu als meinen Fähigkeiten.
  4. Ich habe Angst, „entlarvt“ zu werden. Ich mache mir Sorgen, dass andere merken, dass ich nicht so kompetent bin, wie sie denken.
  5. Ich vergleiche mich regelmäßig mit anderen und schneide dabei in meinen Augen schlechter ab.
  6. Trotz guter Leistungen habe ich Zweifel, ob ich wirklich qualifiziert bin.
  7. Ich setze mir sehr hohe Standards und habe das Gefühl, nie gut genug zu sein.
  8. Kritik trifft mich stärker als Lob mich bestätigt.
  9. Ich bereite mich überdurchschnittlich intensiv vor, um mögliche Fehler zu vermeiden.
  10. Lob kann ich nur schwer annehmen.

Auswertung:

0–10 Punkte:
Sie haben vermutlich ein stabiles Selbstvertrauen im Hinblick auf Ihre Fähigkeiten. Einzelne Zweifel sind normal und meist gut einzuordnen.

11–20 Punkte:
Sie zeigen einige typische Denkmuster des Impostor-Syndroms. Es kann sinnvoll sein, diese bewusster zu reflektieren und Gegenstrategien zu entwickeln.

21–30 Punkte:
Viele Ihrer Antworten deuten auf ausgeprägte Selbstzweifel hin. Es ist sinnvoll, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen, etwa durch gezielte Reflexion oder Austausch mit anderen.

Hinweis zur Einordnung:

Dieser Test ersetzt keine psychologische Diagnose. Er soll Ihnen helfen, typische Denkmuster zu erkennen und ein besseres Gefühl für Ihr eigenes Selbstbild zu entwickeln.

Quellen:

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Erik Gürges studierte Medienwissenschaften und Amerikanistik an der Philipps-Universität Marburg. Seine berufliche Laufbahn begann buchstäblich mit großem Kino – nämlich in der externen Pressestelle des Filmlabels MGM. Seit 2010 hilft er als freiberuflicher Texter Menschen, Unternehmen und Agenturen aus den unterschiedlichsten Branchen dabei, die richtigen Worte rund um Produkte, Ideen und Dienstleistungen zu finden. Als zertifizierter KI-Manager begleitet er außerdem Projekte rund um den sinnvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz in Kommunikation und Content. Weitere Informationen unter: www.erikguerges.de

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