90 Minuten waren viel zu kurz: Nachbericht zu DDIM.virtuell // Die Machtfrage im Mandat

Ein Nachbericht der DDIM – Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e.V.

Freitagmorgen, 8:00 Uhr. Mehr als 50 Teilnehmende. Und um 9:30 Uhr war die Runde immer noch nahezu vollständig dabei.

Das allein sagt schon einiges über das DDIM.virtuell // „Die Machtfrage im Mandat“.

Initiiert wurde das Event von Susanne Krüger-Lampe, die das Thema aus ihrer eigenen Mandatspraxis heraus in das DDIM Format eingebracht hatte. Gemeinsam mit Ulvi I. AYDIN und Manoj George von Valtus stand sie nun auf der virtuellen Bühne.

Drei Persönlichkeiten, drei unterschiedliche Blickwinkel – und genau daraus entstand eine ebenso praxisnahe wie lebendige Diskussion.

Im Mittelpunkt stand ein Thema, das in nahezu jedem Interim-Mandat eine Rolle spielt – über das aber erstaunlich selten offen gesprochen wird:

Macht.

Nicht als etwas Anrüchiges und nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung dafür, in Organisationen überhaupt etwas gestalten und umsetzen zu können.

„Macht ist die Möglichkeit, Dinge zu gestalten und umzusetzen.“
Susanne Krüger-Lampe

  • Susanne Krüger-Lampe brachte dabei die Perspektive aus Restrukturierungs- und Transformationsmandaten ein.
  • Ulvi I. AYDIN beleuchtete Macht, Kommunikation und Vertrauen aus Geschäftsführungs- und Beiratssicht.
  • Manoj George ergänzte die Diskussion um die Perspektive des Interim-Management-Providers.

Und immer wieder reagierten die drei direkt aufeinander, widersprachen sich, ergänzten Argumente und schärften ihre Positionen. Gerade dieses Zusammenspiel machte deutlich, wie unterschiedlich die Machtfrage je nach Rolle im Mandat wahrgenommen wird.

Klarheit schafft Handlungsspielraum

Ulvi I. AYDIN brachte einen zentralen Gedanken auf eine sehr prägnante Formel:

„Klarheit = Macht.“

Und noch konkreter: „Wenn das Mandat nicht klar ist, dann macht es klar!“

Denn ein Interim Manager kann noch so erfahren und fachlich stark sein: Wenn Auftrag, Entscheidungswege, Zuständigkeiten und Rückendeckung nicht geklärt sind, wird Wirksamkeit unnötig erschwert.

Die Provider-Perspektive: Nicht jedes Problem ist ein Machtproblem

Manoj George setzte aus Provider-Sicht immer wieder bewusst kritische Akzente und hielt an der einen oder anderen Stelle auch gegen die Positionen seiner Mitdiskutanten.

Sein Blick erweiterte die Diskussion um eine wichtige Frage: Beginnt ein schwieriger Mandatsverlauf möglicherweise schon vor dem eigentlichen Start?

Etwa dann, wenn die Auftragsklärung zu ungenau bleibt, das falsche Profil gesucht wird, Entscheidungswege nicht klar sind oder dem Interim Manager der notwendige Zugang zum Auftraggeber und zu Schlüsselpersonen fehlt.

Damit wurde deutlich: Fachkompetenz ist eine Voraussetzung für Mandatserfolg, sie ist aber noch keine Garantie.

Das Organigramm der tatsächlichen Macht

Susanne Krüger-Lampe berichtete aus ihren Restrukturierungs- und Transformationsmandaten über formelle und informelle Macht, Mitbestimmung, Kommunikation, gewachsene Beziehungen und alte Konflikte.

Besonders große Resonanz erhielt dabei ein Instrument aus ihrer Mandatspraxis, das „Organigramm der tatsächlichen Macht“.

Denn das offizielle Organigramm beantwortet lediglich die Frage: Wer berichtet an wen?

Für die Wirksamkeit eines Mandats sind jedoch häufig ganz andere Fragen entscheidend:

  • Wer beeinflusst wen?
  • Wer wird tatsächlich gehört?
  • Wer verfügt über wichtiges Wissen?
  • Wer genießt besonderes Vertrauen?
  • Wer kann Veränderungen beschleunigen – und wer kann sie blockieren?

Zentrale Meinungsführer sind eben längst nicht immer diejenigen, die im offiziellen Organigramm ganz oben stehen. Gerade deshalb lohnt es sich für Interim Manager, neben den formalen Strukturen auch informelle Netzwerke, historische Entwicklungen und frühere Machtverschiebungen zu verstehen.

Weniger Hierarchie bedeutet nicht weniger Macht

Ein weiterer Gedanke aus der Diskussion:

„Je mehr formale Macht aus Organisationen genommen wird – etwa durch die Reduktion von Hierarchien –, desto mehr Zeit brauchen Organisationen für die Aushandlung von Vereinbarungen.“

Denn Macht verschwindet nicht automatisch mit Hierarchien. Sie verändert ihre Form.

Informelle Netzwerke, Vertrauen, Wissen, Kommunikation und persönliche Beziehungen gewinnen dadurch häufig sogar an Bedeutung, oder zugespitzt:

„Führung, Verantwortung und letztlich auch Macht sind unteilbar.“

Ein Thema, das weitergeht

Die zahlreichen Rückmeldungen während und nach der Veranstaltung zeigen: Die Machtfrage im Mandat ist kein Randthema.

Sie betrifft Auftragsklärung, Führung, Kommunikation, Stakeholder-Management, Mitbestimmung und letztlich die Frage, ob ein Interim Manager seine fachliche Kompetenz tatsächlich in Wirksamkeit übersetzen kann.

Die Charts der Veranstaltung stehen exklusiv den Mitgliedern der DDIM zur Verfügung und können bei Susanne Krüger-Lampe angefordert werden.

Zudem weisen wir auf das Whitepaper „Menschen, Macht & Mitbestimmung“ von Susanne Krüger-Lampe hin, in dem die wesentlichen Aspekte dieses Themas dargestellt sind: www.krueger-lampe.de/positionen

Eine Anmerkung von Susanne Krüger-Lampe am Schluss:

„Solche Themen brauchen eine Plattform, auf der offen diskutiert, Erfahrung geteilt und auch einmal kontrovers argumentiert werden kann. Genau diese Möglichkeit bietet die DDIM. Das ist wertvoll für die Mitglieder, für uns als Referenten und letztlich für die gesamte Interim-Management-Community.“

Ein herzliches Dankeschön an Susanne Krüger-Lampe, Ulvi I. AYDIN und Manoj George für die unterschiedlichen Perspektiven, die konkreten Erfahrungen aus der Praxis und die offene Diskussion. Und natürlich an die mehr als 50 Teilnehmenden, die sich an einem Freitagmorgen um 8:00 Uhr auf dieses Thema eingelassen haben und bis zum Schluss dabeigeblieben sind.

Denn eines hat die gemeinsame Diskussion sehr deutlich gezeigt: Die Machtfrage im Mandat ist sehr wichtig.

Ulvi Aydin ist preisgekrönter Interim Manager, Unternehmens- und Unternehmer-Entwickler und Buchautor. Als international agierender Interim-CEO und -CSO unterstützt er mittelständische Unternehmen und Konzerne bei Marken- und Marktentwicklung, Neu-Positionierung, Restrukturierung und Vertriebsexzellenz. Über seine Erfahrungen als Interim Manager schreibt er in diversen Wirtschaftsmedien.

Webseite: www.aycon.biz

Manoj George startete nach einer 24-jährigen Karriere als Manager in großen deutschen und US-amerikanischen Unternehmen im Jahr 2024 ein neues berufliches Kapitel als Partner bei VALTUS Germany. Mit seinem internationalen Hintergrund möchte er VALTUS als führenden Anbieter von Interim Management Lösungen in Deutschland positionieren und sich auf die Bedarfe kleiner und mittlerer Private-Equity-Firmen konzentrieren.

Susanne Krüger-Lampe ist HR Interim Managerin. Zu ihren Auftraggebern aus der produzierenden Industrie geht sie als CHRO, HR Director oder Abteilungsleitung, als Chief Transformation Officer, Change Manager oder Executive Consultant. Susanne Krüger-Lampe ist Expertin für die Neuausrichtung administrativer HR-Abteilungen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Restrukturierung, Transformation und Change – besonders in herausfordernden Führungssituationen. Ihre Erfahrung zeigt: Veränderungen müssen nicht weichgespült, sondern klar gestaltet werden. Ihr Ansatz lautet: unangenehme Entscheidungen verständlich machen und wirksam umsetzen.

Weitere Informationen: www.krueger-lampe.de